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Veröffentlicht am 07 Juni 2013 11:36 - Blogs, Sprachraum

kein barfuß in den flossen

SORGENICHs MITTWOCHs-REVUE 3

kein barfuß in den flossen
überall ameisentitten, gänsehaut. dem mann schauerte unabläßlich. einfach so. die psyche.
„den ganzen tag ameisentitten, hier.“ zeigte der mann seiner heimkehrenden frau die arme.
„fieber?“ hörte er sie fragen.
„ach was, die psyche.“ der mann krümmte sich in seinem schauern, klapperte mit den zähnen und schüttelte seine durch den körper fließenden erstarrungen.
„du klapperst ja richtig.“ sagte seine frau.
„weiß gott.“ antwortete der mann, „unaufhörlich geht das so, und nachts noch die bis nach oben ziehenden stromschläge in den beinen, und die füße flattern dann, als würde ich mit ihnen unter der bettdecke jemandem zuwinken, ich weiß nur nicht wem.“

gott wußte von nichts, aber vielleicht ging es auch nicht ums wissen der quälereien auf erden, vielleicht nur ums erkennen, daß es nie anders sein würde. vielleicht war die hoffnung, daß gott alles sieht ein selbstaufgerichteter irrtum, den sich die menschen immer wieder bescherten, um erneut an einen gott glauben zu können, einem gott etwas in die schuhe zu schieben, obwohl sie ihn sich in ihren bildern nur barfuß vorstellen konnten.

„wink’ den schmerzen zu, und sie werden milder.“ sagte die frau zum mann.
‚genau, scheiß auf die ameisentitten und die wie von geisterhand schmerzhaft flatternden füße. ich brauch’ richtige titten und taucherflossen für den tag.’ dachte der mann, ‚dann schwimm’ ich je nach belieben entweder oben oder unten, jedenfalls wann und wo ich es dann will!’

gott lag unter eis und hatte keinen pickel, trieb dennoch schnorchelnd unter einer klaren schicht. er sah von unten. sah berge, die das eis durchstießen mächtig in den himmel wachsen, sah menschen pickel in die gipfel schlagen und schüttelte so etwas ähnliches wie einen kopf.
die taucherbrille hing um seine füße, und noch ehe er mit ihr winken konnte, sank sie ins finstere unter ihm.

fasching im swingerklub. und der mann stapfte mit sneakers und taucherflossen an den füßen, mit schnorchel, seiner brille unter der taucherbrille und einer verwaschenen roten DDR-dreiecksbadehose an die bar, nahm den schnorchel aus dem mund, bestellte ein alkoholfreies bier, hörte: „alkoholfrei, obwohl du mit übernachtung bezahlt hast?“ und schaute sich nach dicken titten um. jede menge. der mann trank einen schluck von seinem alkoholfreien bier und rieb sich seine ameisentitten auf beiden unterarmen weg.
„na, alleine hier? ist heute fast so wie silvester. magst mit mir nach oben gehen, ein bißchen kuscheln, du tiefseetaucher?“
der mann schaute die dicke frau an. ihre titten waren in masse einverleibt.
dem mann schauerte. ameisentitten rings ums umklammerte bier.
als er später auf frauen zustapfte, bewegten sie sich von ihm fort, doch um mitternacht wurde das beste kostüm prämiert und der mann hörte und sah verschwommen hinter seinen beschlagenen und mit schweißperlen besetzten brillen:
„platz drei geht an die frau oben ohne in ihrem fischtanga! herzlichen glückwunsch!“ drang durch den jubel. „platz zwei geht an die hübsche, große blondine in ihrem mit penissen bemalten durchsichtigen regenmantel! einen heißen glückwunsch von uns allen!“ ohrenbetäubender lärm, und als er sich legte: „und nun der absolute gewinner, das beste kostüm des abends, an einen menschen, der den ganzen abend sein kostüm nicht einmal abstreifte, doch immer wieder die treppen zu den spielwiesen hoch und runter eilte, der erste preis geht an den mann mit taucherflossen, taucherbrille, schnorchel und der phantastischen dreiecksbadehose, die die meisten von uns noch kennen, doch nur die wenigsten vielleicht noch besitzen! wir bitten den froschmann zur preisverleihung!“
gelächter, buhrufe und angenervtes, enttäuschtes gestöhne.
der mann watschelte in richtung aufforderung, bekam als preis eine riesenumverpackung kondome, und das, obwohl die dinger auf jeder matte in jedem raum der oberen etage schon zuhauf rumlagen.
„applaus für unseren lustgrottenforscher…“
vereinzeltes, zeitlupenartiges geklatsche, ameisentitten unterm schweiß.

gott versuchte, zu applaudieren. niemand hörte ihn unter seinem eis. er drang nicht durch durch das klare gefrorene, und es schien ihm, als wäre es von der anderen seite nicht durchschaubar, obwohl von unten alles sichtbar war. wo hing der himmel, unten oder oben, wo hing der hammer zum zerschlagen einer nicht einnehmbaren schicht? oben, unten, wo war denn nun der punkt für gott, er selbst nur eingepreßt in einem kleinen all? preßkohle sah der gott in jeder währung, kondome lagen auf dem eis, gott schauerte in seinem glauben, in angst, sich nicht mehr fortpflanzend in menschen installieren zu können, von mahl zu mahl, von lust zu lust, sah füllungen gefrieren, ließ seinen atem nichts verhindern, nichts tauen und nichts einsammeln.

„und wie war’s im swingerklub?“ fragte die frau ihren mann.
„hatte das beste kostüm, hab’ den ersten platz gemacht.“
„ehrlich? du spinnst doch!“
„ne, hier, der erste preis!“ der mann schüttete fünfhundert kondome auf die couch.
„und was wollen wir mit dem scheiß?“
„frag’ ich mich auch schon seit heut morgen.“
„die hätten dir mal lieber die einhundert euro eintrittsgeld wiedergeben sollen!“
„ja, wär besser gewesen, die übernachtung mußte ich ja auch noch bezahlen in solch’ abgewracktem bungalow. wärst du mitgekommen, hätten wir als pärchen nur die hälfte bezahlt und wenn du den bh mit den honigbienen und den saurierslip angezogen hättest, hätten wir gold und silber abgestaubt.“
„ich geh’ in sowas nicht, ich fick’ nicht vor andern! und wo sind meine taucherflossen?“
„im kofferraum.“ log der mann.
„und die ameisentitten weg?“
„nee, hatte ich die ganze zeit über, obwohl ich richtig schwitzte.“

sie waren seitlich im all. wahrscheinlich zur zeit oben.
gott stieß durchs eis, holte sich die gipfelstürmer, schlug sich mit deren pickel ein loch in den bauch, schaute, wie er von innen aussah und wunderte sich nicht, daß all die schläuche in ihm drin ihn auch noch ganz woanders hinführen konnten.
landt

- Autor -

Jürgen Landt

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