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Veröffentlicht am 07 Juni 2013 12:53 - Blogs, Sprachraum

und fertig ist das bild

SORGENICHs MITTWOCHs-REVUE 5

und fertig ist das bild
„auch ’ne schöne farbe, kannst du auch nehmen, hat was warmes, kannst ’ne tolle blume malen, wischt die spinne runter vom papier oder schlägst sie einfach breit, malst noch ’ne sonne dazu oder ’nen mond, einen hühnerhof oder ein geschlachtetes schwein, hängst die blase an ’nen bindfaden und läßt ein bißchen frischen schnee drauf glitzern,
 

zeichnest sie so, als wär sie ein schwebender ballon, nur festgebunden, und wie ein panzerspähwagen den karnickelstall platt walzt, und ’nen arzt im grünen kittel voller gelber eiterkleckse, der einen scherzartikelkugelschreiber als blutgefüllte spritze hat und ’ne schwester, komplett kittellos, auch mit einem scherzartikel, sonem schwarzen knallkugelschreiber, weißt du, der beim kappe abziehen knallt, wo dann schon gleich son ausgefülltes rezept angesengt anbei rumliegt und wie ’ne frau nebenan vierlinge entbindet, das würde ich in die ecke kritzeln, irgendwie mit einem stumpfen bleistift, und läßt anbei daneben aus einem alten füller noch einen blauen oder schwarzen, von mir aus auch roten klecks aus der feder abklecksen, und einfach trocknen lassen, nicht dran rumwischen oder den klecks womöglich noch hin und her rollen, einfach still liegen lassen den plumps, malst noch ein sogenanntes psychopharmakaabsetzungsphänomen in die andere ecke, am besten eins vom trevilor, das ist wie ein hartnäckiger stalker kurz bevor er ganz durchdreht, malste so wie es einem menschen dabei geht, es gibt leute, die springen aus reiner unerträglichkeit der qualen aus dem fenster, hat mir der klinikchef gesagt, er kannte welche, und ich hab die scheiße auch durchgestanden, mal das auf, wie es mir dabei ging und gleichzeitig zeichnest du das quälende reinnehmen eines neuen medikaments, und mal die davon mit wasser gefüllten beine und die durchs medikament verursachte atemdepression mit obendrauf, und dann sind noch zwei ecken frei und auch noch die ganze rückseite, ich würde vorne noch eine rosine, so eine von ’ner trauben-nuß-schokolade raufmalen, weißt du, und ’nen bus, und mal als rosine keine teerlunge wie sie beim sezieren zum vorschein kommt, sone teerlunge bleibt auch wie ’ne rosine zurück, pechschwarz zusammengeschrumpelt wie ’ne große rosine halt, und beim anfassen hat man klebrige, schwarze kuppen an den fingerhandschuhen, aber mach’ wie du willst, platz ist genug, na ja, und wie gesagt, ’nen bus, wo man die sprengladung drunter sieht, nicht vorne, eher richtung hinten, so zwischen den hintereifen, irgendwo nähe hinterachse, und dann wieder mohnblumen, die zwischen dem abgekühlten schrott rausblühen, und noch zwei nonnen, die kotelettfettspritzer auf ihren umgebundenen op-kittelkochschürzen haben, und lauter abgeschnittene kleine spaghettischnipsel wie kurze regenfäden oben und unten im bild, aber auch farbig die dinger, so wie aus einer unbekannten bolognesesauce geflüchtet, dann brauchst du diese sauce nicht mehr malen, kannst dafür ginflüssigkeit aus umgekippten gläsern einfügen, und wie ’ne geile braut an der bar einen mann mit zwei baskenmützen bestückten köpfen trotzdem abkassiert, der typ ihr aber nur zwei zusammengeknüllte 5hundertereuroscheine zwischen den zähnen vorzeigt und ’ne zigarette an der kneipendecke ausdrückt obwohl er nur 1,39 m groß ist und keine arme hat, und ’ne stripteasetänzerin, die fell sammelt und auch ein schild zur felleinsammlung an der tür ihrer hütte hat, und ein pubertierender bengel, der ihre alten an die hütte angenagelten fellimitatschlüpfer abreißt, irgendwie so heimlich und verstohlen, und dann läßt’ das alles ein weilchen trocknen oder auch nicht und drehst das blatt einfach um, malst hinten ’ne frau rauf mit grauen lippen, die aber trotzdem saftig aussehen sollen und voll, also prall durch all das, was sie schon alles angestellt und erlebt haben, und dieses hohe haus des lebens, das nicht abgerissen aber ständig angebohrt wird, oder machst das irgendwie so wie neu angeboren, würd’ ich beides anzeichnen, und wie ein letzter stock brennt oder wenigstens qualmt, son letzter stock im feuer, weißt du, und einen total goldenen hamster, der sich die vollen backen bis über die wirbelsäule schiebt, und sich in der nächsten pinselsequenz oder abbildung auf den rücken dreht und total freudesstrahlend körner durch die augen in den himmel schießen läßt, also nach oben auf dem blatt, und auf alle fälle eine frau in die ecke rein, die ständig nackt spaghat macht und sich darüber freut, daß die männer dabei jubeln: „mach’s nochmal, mach’ nochmal den spaghat sybilla!“, wie damals in berlin, und einen mann in die andere ecke, der von hinten einer frau im vergnügungspark hinter den karussels beim pinkeln zwischen die beine greift, sie sich erschreckt und dennoch lacht, einfach weiterpinkelt und der typ dann an seinen fingern lutscht, und malst noch die venus in ’ne wiege und ’nen venushügel davor, richtig schön bewachsen, und radieschen und spargel und ’nen blumenkohl und ’ne kapelle von ’nem friedhof, und vor jeder ausgemalten ecke, wenn du sie dann ausgemalt hast, einen baukrahn, schwenkend, mit tausenden angedeuteten büstenhaltern über den häusern und nur einem angehängten ehering, der runterfällt, der ehering, nicht die bh’s, und der wieder zum verkauf geschleppt wird, zum goldschmied oder zum geschäft eines briefmarkenhändlers, der auch münzen verkauft und alte telefonkarten und im hinterhof noch eine polsterei betreibt, dessen frau im abgeschlossenen zimmer gelbgold einschmelzt, und fünf autos von der müllabfuhr, die sich im kreisverkehr ein rennen liefern, und einen polizisten, der auf dem rücksitz des einsatzwagens eine polizistin cunnilinguiert, sich im anschluß mit einem herpesstift die lippen einschmiert, und wie kontoauszüge durch den herbstwind ins unsichtbare flattern, sich einfach im nirgendwo verlieren, und wie ein postmann ein weiches paket bringt, weißt du, so eine tüte, in der ein unterrock steckt, der aber nicht in die kategorie reizwäsche zählt, irgendwo ganz woanders anders anzusiedeln ist, und dann irgendwo noch einen zappelnden mann, der auf einem gigantischen klebrigen, total, aber wirklich total dick verklebten beziehungsfliegenfänger pappt… und fertig ist dann dein bild.“

- Autor -

Jürgen Landt

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