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Veröffentlicht am 31 Mai 2014 05:48 - Film & Video

Sechs Stunden Hobbits

Der Hobbit "Eine unerwartete Reise", "Smaugs Einöde"

Sechs Stunden Hobbits

Ich liebe dieses Buch: Seit ich vor mehr als 25 Jahren erstmals “Der Hobbit” in die Hand nahm, bin ich schon mehrfach mit Bilbo Beutlin, Gandalf und den Zwergen auf die Reise durch Mittelerde gegangen. Und nie wurde mir dabei langweilig.
 


Doch als Regisseur Peter Jackson ankündigte, dass er auch dieses Buch in drei monumentalen Filmen auf die Leinwand bringen wollte, wurde mir mulmig. Beim “Herrn der Ringe” war mir klar, dass hier viel Zeit für viel Literatur nötig war. Neun Stunden oder mehr für diesen Roman? Für mich kein Problem. Selbst eine Dauersession mit den erweiterten Fassungen aus diversen DVD-Boxen könnte mich nicht schrecken. Aber der “Hobbit”? Dieses kleine Büchlein, diese überschaubare Geschichte? Was um aller Welt hat Peter Jackson da nur geritten?

Eine Unerwartete Reise

Bislang war ich noch nicht im Kino. Und Teil 1 des Hobbitfilms steht seit Jahr und Tag fast un-gesehen im Regal. Jetzt aber ist der zweite Teil als DVD angekommen. Und ich muss mir ein Herz fassen: Heute muss es sein! Es ist Sonntagnachmittag, draußen verschwindet die Frühlingssonne immmer wieder hinter grauen Wolken. Also auf nach Mittelerde in der Version von Peter Jackson.

Zwei Stunden und 48 Minuten später: “Eine unerwartete Reise” ist vorbei. Bislang war ich jedes Mal eingeschlafen, sobald Bilbo Beutlin vor Furcht ohnmächtig geworden war: Mehr als 45 Minuten waren einfach nicht auszuhalten in ihrer Langatmigkeit. Wo Tolkien einfach beginnt: In einer Höhle lebte ein Hobbit, brauchte Jackson vorher noch zehn Minuten, um schon den Drachen, den Arkenstein und die Zwietracht zwischen Elben und Zwergen anzusprechen und paar Massenszenen mit jeder Menge Spezialeffekten unter zu bringen.

Später kommt die Geschichte doch noch ein wenig mehr in Fahrt. Nur schade, dass immer wieder das Ansinnen des Regisseurs deutlich wird, das Wiedererstarken von Mordor zum eigentlichen Subtext der ganzen Reise zu machen. Und die Feindschaft zwischen den Orks und der Gefolgschaft von Thorin Eichenschild muss auch noch großartig ausgemalt werden.

Warum nur fühlt sich Peter Jackson dazu berufen, sämtliche Legenden rund um Mittelerde in seine Filme zu packen? Warum muss er eine kleine bezaubernde Geschichte derartig aufblasen? Ok, die Szenen mit dem Koboldkönig und seiner Gefolgschaft sind witzig - und man hat mal wieder die Chance, eine wilde Schlacht auf der Flucht im Berge zu filmen. Genug davon. Auch ist es nicht schlecht, wenn man außer Gandalf und Saruman auch den dritten Zauberer Radegast den Braunen kennenlernt. Auch wenn es eigentlich nicht zur Geschichte gehört.

Der Magen knurrt und jetzt ist erst Halbzeit. Es kommen noch paar Stunden mit Zwergen, Elben, Zauberern und Hobbits. Und natürlich dem Drachen Smaug.

Smaugs Einöde

Nacht ist’s draußen geworden. Smaug lebt noch immer und er will seinen Angriff auf Seestadt starten. Zweieinhalb Stunden Film: prächtige Landschaften, schöne Elben, grässliche Spinnen im Düsterwald und heldenhafte Zwerge. Jacksons zweiter Streich ist wieder mehr eigener Recherche im Umfeld der hinterlassenen Schriften Tolkiens als einer getreuen Umsetzung des Hobbits entsprungen. Diesmal hab ich es geschafft und bin trotz gewaltiger Längen nicht mal nahe am Einschlafen gewesen.

Denn “Smaugs Einöde” ist komischerweise der spannendere und überzeugendere der bislang beiden Filme geworden: Die Charaktere der Zwerge und Elben sind klarer gezeichnet. Selbst die Konflikte innerhalb der Bevölkerung von Seestadt sind gut ausgemalt. Und der Humor der auf Fässern reitenden Zwerge kommt nicht zu kurz.
Höhepunkt des visuellen Spektakels ist allerdings der Drache selbst, der zu keinem Zeitpunkt wie ein digitales Machwerk sondern wie ein wirkliches Wesen wirkt. Wenn ich den Streifen ein visuelles Spektakel nenne, dann meint das für mich: Hier ist große spektaktuläre Action zu sehen, bombastische Bilder und Gemetzel. Typisch für Jacksons in Neuseeland angesieldelte Version von Mittelerde.

Die Frage allerdings bleibt: Warum hatte er kein Vertrauen zur Buchvorlage? Warum macht er aus einer Geschichte, die man gut seinen Kindern als Gute-Nacht-Geschichte vorlesen kann, ein bedeutungs-schwangeres Monster von einem Mehrteiler? Warum versucht er schon hier den Beginn des Ringkrieges zu erfinden, indem er kleinste Andeutungen über den Nekromanten gleich in die Erweckung nicht nur der Ringgeister sondern auch dem Auftreten Saurons münden lässt? Damit zerstört er nicht nur den “Hobbit”, sondern macht auch gleich seine eigene Verfilmung des “Herrn der Ringe” an einigen Stellen unglaubwürdig.

Ich liebe das Buch - doch meine Skepsis in Bezug auf Jacksons Arbeiten haben zugenommen. Halbwegs verziehen hatte ich ihm den unerträglich schmalzigen und unglaublich langen Schluss des dritten Ring-Films. Doch mit dem “Hobbit” hat er für mich ein Werk geschaffen, was es trotz großartiger Schaueffekte niemals mit dem Buch aufnehmen kann.

PS.: Es sind nicht ganz sechs Stunden Hobbits. Aber warten wir mal die Extended Versions ab … 


 

- Autor -

Bluespfaffe

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