Veröffentlicht am 20 April 2017 02:02 - Musik, Biografien

Alexis Korner - Biografie

Alexis Korner 1968 in Bremen

Dass man ihn ”Vater des Weißen Blues“ nennt, mochte Alexis Korner nicht besonders. Und doch hat er als Musiker und Radiojournalist entscheidend dazu beigetragen, den Blues in Großbritannien und Europa bekannt zu machen. Zugleich war er der Chef der einen von zwei ”Hochschulen“, durch die die meisten britischen Musiker der 60er Jahre gegangen sind.

Korner wurde am 19. 4. 1928 in Paris geboren. Sein Vater war ein österreichischer Jude, seine Mutter griechisch-türkischer Abstammung. Mit einem der letzten Flüchtlingsschiffe emigrierte die Familie zu Beginn des 2. Weltkrieges nach Großbritannien.

1940 hatte Korner auf ungewöhnliche Weise seine erste Begegnung mit dem Blues.

”Ich habe eine Bluesplatte geklaut. Es war das erste Mal, dass ich Blues gehört habe. Es war eine Boogieplatte von einem Straßenmarkt und es hat mich so angeturnt, dass ich sagte, ich hab’ nie eine andere Ambition gehabt in meinem Leben, außer diese Musik zu spielen, diese, also Boogie-Woogie, Blues, Jazz, alles, was zur schwarzen Musik gehört.“

Anfang der 50er Jahre spielte er traditionellen Jazz mit Chris Barber. Wenn die Jazzband pausierte, ließ Barber ihn allein Blues zur Gitarre singen. Und Korner hatte hier die Möglichkeit, Bluesmusiker wie Muddy Waters, Big Bill Broonzy, Memphis Slim oder Sonny Terry & Brownhie McGhee auf ihren Tourneen durch England zu begleiten.

Auch wenn er sich in der Presse kritisch zu der aufkommenden "Skiffle"-Bewegung äußerte, nahm er in den 50ern dennoch mit verschiedenen Skiffle-Bands auf. Schließlich ist kein Musiker vor den Verlockungen des Ruhms von Hitparaden-Platzierungen gefeit. Aber das stand bei Korner in seiner ganzen Karriere eigentlich nie im Vordergrund. Viel wichtiger war es ihm, einerseits den traditionellen Blues zu spielen und an andere weiter zu geben. Und er war immer auch daran interessiert, die engen Grenzen des Blues in Richtung von Jazz, Soul oder auch Gospel aufzubrechen.

Bei Barber lernte er den Blues Fan und Mundharmonika Spieler Cyril Davies kennen, mit dem er 1962 Blues Incorporated gründete. Chronisten vermerken den 17.3.1962, als er mit seiner neugegründeten Blues Incorporated in seinem eigenen Blues-Club in Londons Stadtteil Ealing erstmalig auftrat, als Geburtsstunde des Weißen Blues. Erstmals (noch vor der Paul Butterfield Band in den USA) gab es eine vollständig aus Weißen bestehende Gruppe, die den Blues spielte. Korner war dafür auf die elektrische Gitarre umgestiegen. Neben Klassikern des Chicago-Blues wurden aber auch Jazzstücke von Charles Mingus und eigene Kompositionen aufgeführt.

Korner verstand die bis 1967 bestehende Formation nie allein als Begleitgruppe für eigene musikalische Ambitionen, sondern als ständig offenes Betätigungsfeld für bluesinteressierte Musiker.

”Sobald jemand weg wollte, war er frei, wegzugehen. Er brauchte sich keinen Kummer zu machen. Es gab immer andere Musiker, mit denen er spielen konnte und andere Musiker, mit denen wir spielen konnten. Also war es wirklich da als Sprungbrett für die Musiker, mehr als eine feste Gruppe.“

Auf diese Weise durchlief eine fast unübersehbare Schar heute prominenter britischer Musiker Korners Schule. Aus Blues Incorporated gingen u. a. die Rolling Stones, die Animals oder Cream hervor. 1968 tourte Alexis Korner mit Robert Plant durch Großbritannien und vermittelte ihn Ende des Jahres zur Gründung von Led Zeppelin.

”Lehrmeister bin ich bewusst nie gewesen. Ich hatte einfach Kollegen, mit denen ich Musik spielte und weil ich 10 oder 15 Jahre älter war als sie, war ich ein bisschen sicherer, als Mensch einfach. Ich hatte mehr Erfahrung. Ich hatte irgendwie die Möglichkeit, ihnen eine persönliche Sicherheit anzubieten.“

Dennoch war Korner mit den qualitativen Ergebnissen der von ihm initiierten Entwicklung nicht voll einverstanden.

”Was bei unserer Blues-Welle so schlecht war? Es ist in den 60er Jahren Modemusik geworden. Sie hatten kaum von Blind Lemon Jefferson oder Big Bill Broonzy oder solchen Leuten gehört. Es hatte für sie mit Elektro-Muddy Waters angefangen; Muddy Waters akustisch kannten sie auch nicht.“

Später war er in wechselnden Besetzungen unter anderem mit dem Dänen Peter Thorup unterwegs. Zunächst gründeten die beiden die Band "New Church", die ihren ersten Auftritt beim Free Concert der Rolling Stones im Londoner Hyde Park hatte. Mit der Rockbigband CCS kam er in den 70ern sogar noch mal in die Hitparaden. Denn die Bigband-Versionen von Titeln wie "Satisfaction" oder "Whole Lotta Love" zeigten diese Rocknummern in einer völlig ungewöhnlichen Variante irgendwo zwischen Jazz, Rock und Blues. "Whole Lotta Love" diente zehn Jahre lang der BBC als Erkennungsmelodie für Top of the Pops. Und in einem Remix kam es von 1997-2003 nochmals zu dieser Ehre. Nach CCS spielte Korner nur noch in einer Band mit. Snape war allerdings ein noch kürzeres Leben beschieden als CCS.

Korner war jetzt oft solistisch im Studio und auf den Bühnen zu erleben. Oder aber er tourte im Duo mit dem Bassisten Colin Hodgkinson. Und immer wieder kam es zu Begegnungen mit den alten ”Schülern“, so etwa bei dem vom WDR organisierten Konzert zu seinem 50. Geburtstag 1978, wo nochmals die Bläser aus den Zeiten von Blues Incorporated mit ihm auf der Bühne standen.

Seine zweite Karriere als Journalist begann er schon in den 60er Jahren. So führte er für Radio und Fernsehen Interviews und arbeitete zeitweilig sogar in einer Kindersendung im Fernsehen. In seinen Radiosendungen interviewte er beispielsweise (1967) auch Jimi Hendrix und spielte bei dessen Studio-Sessions die Slide-Gitarre mit. Aber vor allem sorgten seine Sendungen (die man auch in Teilen Deutschlands empfangen konnte) und seine Artikel für die Musikpresse dafür, dass der klassische Blues immer wieder neue Hörer bekam.

Am 1. Januar 1984 starb Alexis Korner in London an Krebs.

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