Veröffentlicht am 22 Januar 2017 15:37 - Musik, Biografien

Piano Blues Teil 12 - Gottfried Böttger

Piano Blues Teil 12 - Gottfried Böttger

Wenn der Hamburger Pianist Gottfried Böttger Klassiker wie den "St. Louis Blues" spielt, dann ist der Blues noch ganz nahe dran am Ragtime. Und das ist nicht nur für die Geschichte von Blues und Jazz passend, sondern spiegelt auch das persönliche Leben des Musikers wieder. Wie heißt es doch so schön in Udo Lindenbergs "Andrea Doria": Gottfried heißt der Knabe da hinten am Klavier. Für jede Nummer Ragtime kriegt er nen Korn und ein Bier".

Geboren wurde Gottfried Böttger am 21. Dezember 1949 in Hamburg. Eigentlich hatte er die Firma seines Großvaters übernehmen oder Mediziner werden sollen. Doch schon als Kind interessierte er sich für das Klavier. Und so bekam er klassischen Unterricht. Doch schon bald entdeckte Böttger Jazz und Ragtime für sich und übte sich heimlich an diesen in der Familie unerwünschten Sounds. Nachts soll er sich ins Gemeindehaus  der St.Johannis-Kirche in Harvestehude geschlichen haben, um dort zu üben. Damals war er 14 Jahre alt und sang im Kirchenchor. Auslöser für die neue Begeisterung war eine Jazz-Scheibe, die ihm ein Bekannter geschenkt hatte. Sein erstes großes Vorbild war Jelly Roll Morton. So wurde aus dem jungen Musiker einer derjenigen, die in den 60er Jahren für Entwicklung der "Hamburger Szene" verantwortlich waren. Schon als Teenager hatte er seine erste Jazzband gegründet. Später kamen Bands wie Leinemann oder die Rentnerband hinzu.

Und natürlich das von Udo Lindenberg gegründete Panikorchester. Böttger und Lindenberg wohnten damals gemeinsam in einer WG in der sogenannten Villa Kunterbunt. Andere Mitbewohner waren damals Otto Waalkes oder Marius Mülller Westernhagen. Ein paar Jahre war Böttger festes Mitglied in Lindenbergs legendärer Band. Nebenbei war er vierzig Jahre lang der Pianist in Deutschlands erster Fernsehtalkshow "3 nach 9" beim Norddeutschen Rundfunk.

Als "Raggie Ragtime" veröffentlichte er 1974 seine Version von Scott Joplins Ragtime "Entertainer", dass durch den Film "Der Clou" gerade weltweit zum Hit geworden war. 1975 kam gemeinsam mit Lonzo Westphal die Single "Hamburg '75" heraus. Bis mindestens 1976 war er regelmäßig auch mit dem Panikorchester auf Tour und im Studio. Doch der Blues spielte für ihn auf Platten eine immer größere Bedeutung. So erschienen gemeinsame Alben mit Memphis Slim und Champion Jack Dupree. Später kamen auch Aufnahmen mit Gospel und Spirituals hinzu. 

Auch als Komponist ist Böttger aktiv. So schrieb er Filmmusiken für diverse Fernsehserien und veröffentlicht Kompositionen von Blues und Boogies vor allem für Kinder. 

Daneben war Böttger jahrelang auch als Hochschullehrer aktiv. Absolviert hatte er ein naturwissenschaftliches Studium. Unterrichtet hat er dann lange Zeit Medieninformatik und auch digitale Audiotechnik. Denn anders als viele andere Bluespianisten war er der elektronischen Musik und auch den digitalen Möglichkeiten durchaus aufgeschlossen.

Heute ist Böttger hauptsächlich gemeinsam mit seinem Neffen Henning Pertiet unterwegs. Gemeinsam haben sie gerade das Live-Album "Family Boogie" veröffentlicht. Neben beeindruckenden Solonummern der beiden so unterschiedlichen Pianisten sind es vor allem die Duos, die einen oft vor Staunen mit offenem Mund dasitzen lassen: Hier wird Bluespiano jenseits stilistisch eng gezogener Grenzen auf allerhöchstem Niveau geboten. Wo Pertiet oft Anklänge an Jazzmusiker wie Theolonius Monk einfließen lässt, lockert Böttger seine Beiträge wie gewohnt durch Oldtime-Jazz und Ragtime auf. 

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