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Veröffentlicht am 04 Mai 2011 13:35 - Sail Away

Selbstversuch in der touristischen Vorhölle Amerikas

Selbstversuch in der touristischen Vorhölle Amerikas

David Foster Wallace - Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich


Eine Dokumentations-Postkarte im Breitwandformat sollte David Foster Wallace für Harper's Magazine schreiben. Dafür spendierte ihm das Blatt eine 7-Nächte-Luxuskreuzfahrt quer durch die Karibik. Und der Autor dokumentierte dieses für ihn völlig unfassbare Erlebnis von qualvollem Luxus und amerikanischer Hässlichkeit in all seinen Facetten.

Denn was für den normalen Konsumenten von Reisekatalogen wie die Eindladung zu einer luxuriösen Dauerentspannung wirken mag, entpuppt sich für den Autor immer mehr als der Blick in den Abgrund des hässlichen Amerikaners, der sich wie ein verwöhntes Kind aufführt, das immer mehr haben will. Wallace nimmt sich dabei auch gar nicht aus - auch wenn er zunächst mehr den Punkt eines Beobachters einnimmt. Doch der allumfassenden Verwöhnmaschinerie des Schiffes und seiner Besatzung entkommt er nicht - oder nur um den Preis, dass dafür die aus ärmeren Ländern kommenden Besatzungsmitglieder leiden müssen. Von Tag zu Tag wird das Leben für ihn mehr zu einer amüsanten Ansammlung von Demütigungen - nicht nur dass er von einem Kind im Schach geschlagen wird, nein, er erreicht auch nur einen blamablen dritten Platz bei der Wahl der schönsten Männerbeine. Und seine Weigerung, wirklich formelle Garderobe an Bord mitzubringen führt dazu, dass er als kulturloser Außenseiter geoutet wird.

Walles' Report aus der Luxushölle gehört in eine Reihe touristischer Reiseliteratur, wie sie etwa Mark Twain mit seinen "Arglosen im Ausland" begründet hat. Den nötigen Humor und Zynismus eines Twain hat der Autor durchaus. Doch was ihm eindeutig abgeht, ist das Verständnis für die menschlichen Antriebe und Beweggründe. Seine Mitreisenden erscheinen daher nicht als fühlende Mitmenschen sondern lediglich als klischeebeladene Witzfiguren, wenn man mal von Zimmersteward Petra oder dem ungarischen Kellner absieht. Der Rest - verabscheuungswürdige hässliche Amerikaner unter subtropischer Sonne. Der Autor selbst nicht ausgenommen. Ein bemerkenswert böses und humorvolles Werk.

 

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