Veröffentlicht am 21 März 2016 15:46 - Berichte, Veranstaltungen

The Blues Summit im Bourbon Street Amsterdam

Auf dem Dach des kleinen Reihenhauses in einer geordneten Feiermeile Amsterdams stehen zwei Figuren, die sich dem Rhythmus hingeben. In fester Pose blicken sie auf das gegenüberliegende Gebäude. Darunter hängt das Schild „Bourbon Street“ unter dem zwei passend aussehende Türsteher – ernst aber nicht bedrohlich, sich ihrer Aufgabe bewusst - vor dem Eingang warten und jedem Besucher fünf Euro abverlangen. Dafür darf er den gesamten Abend wiederkommen und von 22 bis 5 Uhr Livemusik hören. Heute Abend spielt hier The Blues Summit um den Gitarristen Ruben Klavers aus Nijmegen.
The Blues Summit im Bourbon Street Amsterdam

In der Mitte des Ladens steht eine Straßenlaterne an deren Stange rundherum ein Tisch angebracht ist. Links stehen Pärchen an kleinen an der Wand befestigten Tischen und schauen auf die Bar auf der rechten Seite hinüber an der auf den wenigen Stühlen Frühankömmlinge sitzen. Es ist ein einladender Anblick. Die Bühne ist noch leer. Das Bourbon Street serviert kaltes Heineken, dass wohlschmeckend in die Kehle fließt. In dem ca. 60 Quadratmeter großem Raum, der mit dunkelbraunem Holz und in schwarz gekleideten Kellnern einen dezidiert ruhigen Eindruck macht, ist das Publikum auf die Bühne konzentriert, wenn Blicke nicht an die Wände mit obligatorischen Bildern musikalischer Legenden wandern. Wer ist denn alles hier?, fragt man sich. Da ist Jimi Hendrix, Charlie Parker, Mick Jagger und der Rest, Jim Morrisson… über der Bar gucken die Beatles auf die betrunkenen Fröhlichen.

Die Band „The Blues Summit“ beginnt zu spielen. Der Einstieg ist rockig. Bluesig und tanzbar. Der Bassspieler Jeroen van Niele zupft und funkt sich durch die ersten Tracks während das Gesicht des Drummers Daniel Camacho fordernder wird. Sein Mund steht halb offen, der Mundwinkel ist nach oben gezogen und sein bartwüchsiges Antlitz mit den schwarzen Haaren schaut ins swingende Publikum. Sänger und Gitarrist Ruben Klavers spielt rockig und gelöst. Wer sich noch im Hintergrund hält ist der Keyboarder: Bart van Wagenberg.
 


Die unter Nichtraucherschutz stehende Lokalität beginnt sich zu bewegen, weil die Band nichts anderes erreichen will. Die ganze Nacht werden sie da sein, was nicht allen im Raum klar ist und damit die Energie der Band noch erstaunlicher macht nachdem alle es begreifen. Energie ist ein leeres Wort – viel besser passt das Bild von bewegten Körpern und tippenden Füßen. Die Köpfe nicken und das Bier fließt. Klavers singt von der besten Frau, die er in der letzten Zeit hatte und beschwört Erinnerungen an diese blonden Geschöpfe hinauf, die aus der Erinnerung eines Mannes nur schwer wieder verschwinden. Er singt seine traurigen Zeilen mit einem Lächeln im Gesicht. Hinter ihm hängt ein T-Shirt mit der passenden Aufschrift zur musikalischen Situation: „The Blues – Woman Made It, Man Play It“. Im Bourbon Street wird die Stimmung immer besser, der Blick fällt für längere Zeit auf van Niele, der mit unvergleichlicher Freude seinen Bass durch die Tracks treibt. Falls an diesem Abend neue Pärchen ihr erstes Date haben, dann scheint es bei den meisten gut zu laufen. Es liegt Gelöstheit in der Luft, der Abend fühlt sich gut und leicht an. Als die Stimmung schon gut ist, fängt Klavers mit einem langsamen, minimalen Gitarrensolo an. Es sind die ersten Töne von B.B. Kings „How Blue Can You Get“. Der Wahnsinn. Damit beginnt die Reihe an Klassikern, die vom Blues Summit gespielt werden. Klavers Stimme ist rau und imitiert King angemessen. Es ist beeindruckend. Seine Stimme ist vielseitig und ohne dieses verschmitzte Grinsen singt er nicht. Mit der Ankündigung von der nur der letzte Teil „all the way from New Orleans“ in das Ohr dringt, weil das Gemurmel den Pegel der Bar merklich erhöht hat, beginnt eine ausladende Hommage an die Meters. Van Wagenberg, virtuos und gelöst, spielt Musik für wilde Abende. Sein Solo steigert und steigert sich. An der Bar schauen sich zwei Menschen tief in die Augen und küssen sich. Er sitzt auf seinem Barstuhl und sie steht, weil sie nach dem gemeinsamen Moment wieder in die Mitte des Raumes zu den Tanzenden will, vor dem Stuhl auf ihren Zehenspitzen. Das gute Leben findet in dieser Bar statt. Mit guter Musik, guten Leuten, gutem Alkohol und guter Stimmung wird nicht gespart. 


Dementsprechend stoßen die Gäste auf mehrere Runden an. Ein Glück für jeden, der das Bourbon Street gefunden hat. Definitiv kein bad luck wie in Albert Kings „Born Under A Bad Sign“, durch Claptons Cream berühmter gemacht als es im Original war. Amsterdam hält nicht viele schlechten Momente bereit. Die Stadt ist arm an körperlichen Konfrontationen und betrunkenen Pöblern. Die Legalisierung scheint in dieser Stadt einen merklichen Einfluss auf das Nachtleben zu haben. Das wirklich aggressivste ist Klavers verzerrtes Gesicht beim Herausdrücken der emotionalen Liedhöhepunkte und sein schnelles Gitarrenspiel. Das wird von den Barkeepern anerkannt, die in geübter Weise durch die Menge flanieren und die Tablette mit Nachschub bringen und ihr wohlverdientes Trinkgeld wieder mitnehmen. Sie genießen diesen Abend genauso wie das Publikum. In Amsterdam stehen logischerweise Touristen neben Einwohnern, wobei nur an den Sprachfetzen zu erkennen ist, wer wer ist. Einigkeit entsteht durch die Musik und die Atmosphäre. Ein wohlvertrautes Gefühl entsteht, wenn in einer Stadt fern der eigenen Heimat kein Gedanke mehr an der eigenen hängt und Menschen inmitten von Klängen und Alkohol und Gesprächen vollkommen zu Hause sind. Der bewegte Eindruck Amsterdams überträgt sich in diese lebendige Stimmung ohne hektisch zu werden. Es ist nicht aufgesetzt.

Die roten und blauen und grünen Effekte der Lichtshow sind wie passende Gewürze auf der angericheten Mahlzeit. Die Musik schmeckt gut und es ist genug für alle da. Von vorne bis hinten, wo eine Gruppe von Frauen gelöst und anziehend tanzt ohne die gierenden Blicke der Männer auf sich zu ziehen, an der Bar mit den Kopfnickern, an der Laterne mit den im Blickfeld stehenden Boogiewoogie-Menschen, ist das Bourbon Street eins mit sich und seinen Gästen. Nach kurzer Pause sprengt Klavers alle Erwartungen und stimmt „Who Knows“ an. Inklusive Scat! Dieser Typ hat Reichweite. Jimi Hendrix und seine Gruppe Zigeuner sind unerwartet und enthusiastisch.

Wegen all der Amsterdamer Eigenschaften und wegen der vielseitigen Musik ist das Bourbon Street einen und noch viele weitere Besuche wert. Bilder bleiben wie Fotos im Kopf hängen und die beiden eingefrorenen Tänzer stehen weiter auf dem Dach und lauschen der Musik.
 

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